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"Hey, das geht ab, wir holen die Meisterschaft..." Die Fans des Hauptstadt-Derzeit-Noch-Erstligisten Hertha BSC denken dieser Tage bestimmt wehmütig zurück an die vorige Saison. Sie hatten den Partyhit von Lokalmatador Frauenarzt umgedichtet, das Stadion bebte, als er vor einem Spiel persönlich dort auftrat, die Single wurde veröffentlicht und dröhnte im Frühling aus den Autos der blau-weißen Herthafans. Ein Jahr später ist die Hymne verstummt, nur die Hartgesottenen singen sie noch, allerdings musste sie abermals umgedichtet werden: "Hey, das geht ab, die Hertha steigt niemals ab..." Einen Hoffnungsschimmer gibt es tatsächlich für die Herthaner: Rein rechnerisch können sie es noch verhindern, und das neue Jahr hat in jedem Fall besser begonnen als das alte Jahr aufhörte; ein Sieg und ein Unentschieden brachten dem Verein vier der wertvollen Punkte. Trotzdem bleibt die alte Dame Schlusslicht der Tabelle - und muss weiterzittern oder endlich eine ähnliche Siegesserie hinlegen wie im vorigen Jahr, in dem die Deutsche Meisterschaft immerhin nur knapp verpasst wurde. Vielleicht kann die Mannschaft wenigstens das wiederholen: knapp verpassen, diesmal jedoch den Abstieg. Woran es liegen mag ist viel diskutiert worden: Das Geld fehlt, um gute Spieler einzukaufen, Spielmacher wie Voronin, der gerne in Berlin geblieben wäre, konnte sich der Verein nicht leisten. Lucien Favre wurde gegen Friedhelm Funkel ausgetauscht, doch die ersehnten und dringend benötigten Tore wurden verpasst oder von der gegnerischen Mannschaft gehalten. Viele Fans bleiben ihrem Verein trotzdem treu, doch manche stimmen nicht in die neue Version des Frauenarzt-Partykrachers ein, sondern schielen schon einmal auf die Tabelle der Zweiten Liga: Hertha würde gegen den zweiten Hauptstadtverein Union Berlin antreten, das wäre doch was! In Rostock ist immer ordentlich Stimmung, Sankt Pauli ist auch ein nennenswerter Gegner, wenn, ja, wenn die Hamburger dann nicht den Sprung in die Erste Liga schaffen. Die Hertha hat diesmal lange durchgehalten, der letzte Abstieg im Jahre 1991 dauerte allerdings sechs Jahre; erst 1997 konnte man sich wieder aufrappeln. Immerhin ist das nun 13 Jahre her, und immerhin schwammen sie wenigstens einmal ganz oben auf der Erfolgswelle mit. Dass dies erst ein Jahr her ist, macht den Absturz um ein Vielfaches dramatischer. Aber Fußball ist ein Sport wie jeder andere auch, mit Höhen und Tiefen. Wahre Fans werden ihrer Hertha die Treue halten, auch dann, wenn sie nicht mehr vor 37.000, sondern nur noch vor 3.700 Fans im Olympiastadion spielt. Und sie werden hoffen, dass der Abstieg diesmal nicht sechs Jahre dauert. Vielleicht heißt es in der Saison 2012/2013 wieder: "Hey, das geht ab, wir holen die Meisterschaft..." Schließlich ist die 13 eine Glückszahl ... |