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Es gibt ihn noch, den deutschen Winter |
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Geschrieben von: Gundula Schröder-Kempcke
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Freitag, 22. Januar 2010 um 16:35 |
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Wann hatten wir den letzten richtigen Winter? Es muss einige Jahre her sein, und wenn es ein Winter war, dann dauerte er nicht so lange und war nicht so kalt wie in diesem Jahr. Weiße Weihnachten blieben uns wieder vorenthalten, aber dann ging es richtig los, und was des einen Freud ist des anderen Leid: Die Kinder freuen sich über die Schneemassen und holen ihre Schlitten aus dem Keller, die Erwachsenen fluchen über dieselben, welche sich auf ihren Autos türmen ... so sie keine Garage besitzen. Das viel größere Übel ist jedoch, dass wir offenbar nicht mehr vorbereitet sind auf einen Winter wie diesen: Dass es Autofahrer gibt, die ganzjährig auf Sommerreifen unterwegs sind mag den einen verwundern, der andere fragt sich, wie man diese schwammige Gesetzeslücke zu seinen Gunsten interpretieren kann. Bei Massenkarambolagen auf der Autobahn werden zwar die Sommerreifen in Großaufnahme gezeigt, wirkliche Ursache ist jedoch meistens eine unangemessene Geschwindigkeit, bei der Winterreifen und ABS dann auch nicht mehr weiterhelfen. Dass es Baumärkte gibt, die Spielsand zum Streuen der privaten Wege anbieten, der nach einer Nacht unter freiem Himmel eingefroren ist, weil es weder Salz noch Streusand gibt, und dass sogar Straßendienste wegen Lieferengpässen in Bedrängnis kommen verwundert auch denjenigen, der an Winterreifen gedacht hat, denn auf frisch überfrorenen Staßen versagen diese ebenso ihren Dienst wie bei zu schnellem Fahren. Haben wir uns zu sehr auf den Klimawandel eingestellt und geglaubt, dass in unseren Breiten bald Palmen und Zitronenbäume wachsen werden? Dann sollten wir schnell umdenken und den nächsten Winter besser vorbereiten: Winterreifen kaufen, sich rechtzeitig mit Streusand eindecken und die Fahrweise den Witterungsbedingungen anpassen. Und unser Erstaunen sollte sich auch in Grenzen halten; wir leben schließlich (noch) nicht in mediterranen Breitengraden. |